Generalkonsulat des Königreichs der Niederlande in München, Deutschland

Handelsdelegation (Medtech/E-Mobility) aus der Provinz Brabant besucht Nürnberg und bestimmt Agenda für 2017

Die ersten Termine sind vereinbart und die deutschen Clustern laden Niederländer verstärkt für Messen und Kongresse ein. Dank der niederländischen Beharrlichkeit und dem aktiven Kontakt mit den deutschen Partnern gelingt es immer besser auf dem bayerischen Radar zu erscheinen. Aus dem Kontakt haben sich viele Geschäftskontakte und Kooperationsansätze ergeben, fassen die Organisatoren der Handelsdelegation eine Woche nach Ablauf der Delegation zusammen.

Firmenbesuch bei Heitec

Firmenbesuch bei Heitec. Foto: Duitslandnieuws

Obwohl die Kontakte rundum der Medizintechnik zwischen der Provinz Brabant und Baden-Württemberg in den letzten Jahren intensiviert wurden, steht die Zusammenarbeit mit Bayern erst in den Anfängen. Als Folge des Besuches des niederländischen Königspaares nach München und Nürnberg im April 2016, werden die Bande zwischen deutschen und niederländischen Organisationen und Unternehmen zunehmend verstärkt.

Zum ersten Mal wurde eine Handelsdelegation aus Brabant in die Metropolregion Nürnberg organisiert. Der Fokus lag auf den Themen Medizintechnik und E-Mobility. Nach Ablauf der Delegationsreise befasst sich dieser Artikel mit den ersten Resümees der Teilnehmer und Organisatoren. Deutsche Cluster sehen ein deutliches Wachstumspotenzial in der Zusammenarbeit mit den Niederländern und konkrete Einladungen für Messen und Konferenzen im nächsten Jahr sind bereits ausgesprochen.

"Der Besuch der Handelsdelegation in unserer Region war sehr erfolgreich", sagt Matthias Schier vom deutschen Cluster Forum MedTech Pharma aus Nürnberg. "Die Bandbreite der deutschen Unternehmen passen sehr gut zu den verschiedenen Unternehmern aus den Niederlanden."

So sah er deutliche Anknüpfungspunkte für bilaterale Geschäftsbeziehungen während des Besuches der MedTech Delegation bei dem Augenlaserfabrikant Wavelight in Erlangen. Ein Unternehmen, das bisher vor allem ein regionales Netzwerk hat. "Der Geschäftsführer von Wavelight war begeistert von den niederländischen Unternehmen und gab konkrete Beispiele wofür er noch geeignete Geschäftspartner sucht. So hatte er konkreten Bedarf an Spezialisten von Präzisions-Kunststoffen, Blechbearbeitung und Embedded Systems. Die Teilnehmer der Delegation aus Brabant entsprachen diesem Bedarf genau", sagt Schier. "Ich sehe daher viel Potenzial für die weitere Zusammenarbeit."

"Auch im nächsten Jahr gibt es diverse Veranstaltungen bei denen die Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden kann", sagt Schier. „Wir organisieren hier in Nürnberg im Juni 2017 die MedTech Messe MT-Connect. Hierzu laden wir auch aktiv niederländische Unternehmen zu ein und geben ihnen ein Podium auf dem Kongress, der parallel zu der Messe organisiert wird.

Geschäftsführer von Brainport Industries aus Eindhoven, John Blankendaal, ist erfreut über die Unterstützung die die Unternehmen aus Brabant von den deutschen Clustern und Ministerien bekommen. "Das war vor zwei Jahren noch nicht so. Wir werden in Bayern immer deutlicher wahrgenommen." Nach Meinung von Blankendaal ist das keine Selbstverständlichkeit und muss dieser Status erst gewonnen werden. "Viele Länder wollen mit bayerischen Unternehmen in Kontakt kommen, demnach befinden wir uns mittlerweile in einer besonderen Position."

Die Handelsdelegation gab ihm neue Perspektiven auf die deutsche Industrie. "Anstatt einer theoretischen Marktforschung, gibt es den direkten Austausch mit Unternehmern. Davon hat man viel mehr." Viele Unternehmen sind traditionell gewöhnt alles ‚in-house‘ zu produzieren. Da kommt man als Außenstehender nicht so einfach dazwischen. "Es ist, als ob man Süßigkeiten in einem Süßwarenladen verkaufen will. Man muss einen deutlichen Mehrwert anbieten können."

Willkommen in Nürnberg

Willkommen in Nürnberg. Foto: Duitslandnieuws

"Diesen Mehrwert haben die niederländischen Unternehmen", meint er. "Ich sprach mit einem Teilnehmer der nachts noch (nach Ablauf des Delegationsprogrammes) ein Angebot zu einem deutschen Unternehmen geschickt hat, mit dem er mittags gesprochen hatte. Das zeigt deutlich, dass diese Reise auch unternehmerisch erfolgreich ist." Das hat, seiner Meinung nach, auch damit zu tun, dass sich die niederländischen Unternehmen und Regierungen zusammengeschlossen haben um den Kontakt mit Süd-Deutschland aufzubauen. Ein Beispiel ist das Fördermittelprojekt Medizintechnik Holland. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe aus 12 komplementären High Tech Unternehmen aus den Niederlanden, das seit einem Jahr konkrete Kontakte und Kooperationen mit süddeutschen Unternehmen aufbaut. Durch den Zusammenschluss der Unternehmen wird man in Deutschland anders wahrgenommen. "Das wird als sehr professionell erfahren."

Edwin Bestebreurtje, Programmmanager von E-Mobility Partners aus Helmond ist besonders positiv über die Gesprächsrunden während des Besuchs beim Fraunhofer-Institut IIS in Nürnberg. "Es gab richtig gute Gespräche zwischen den niederländischen und den deutschen Teilnehmern."

Er kam beispielsweise mit Vertretern der namhaften Unternehmen Continental und Schaeffler ins Gespräch. "Es ist interessant zu sehen, wie auch diese traditionellen Unternehmen neue Wege in der Mobilität untersuchen. Die neuen Formen von Logistik und Personenverkehr."

"Die Gespräche in den kleinen Gruppen funktionieren gut", sagt er. "Ich habe diese Gespräche auch bereits in größeren Gruppen mitgemacht, aber dann halten sich die deutschen Teilnehmer meistens zurück und beherrschen die Niederländer die Gespräche. Nun konnte man sich ordentlich vorstellen und das Gespräch konkretisieren und vertiefen."

Verschiedene Round-Table-Gespräche.

Verschiedene Round-Table-Gespräche. Foto: BOM

"Die Handelsdelegation von Nord-Brabant nach Nürnberg ist nichts einmaliges", meint Bestebeurtje. "Man merkt, wenn man sich öfter begegnet, dass man einander besser kennenlernt und eine Zusammenarbeit zustande kommt." Mit E-Mobility Partners ist er da bereits auf einem guten Weg, erzählt der Niederländer. "Wir werden nun Problemfälle aus niederländischen und deutschen Innenstädten miteinander vergleichen und gemeinsam Lösungen für die Urban Mobility erstellen."

Christian Seitz von der Industrie- und Handelskammer ( IHK Nürnberg für Mittelfranken) sieht den zunehmenden Austausch der seit dem königlichen Besuch der Niederlande im vergangenen Frühjahr an Bayern zwischen den Unternehmen stattfindet. "Es finden wiederseitige Besuche statt, was uns sehr stimuliert um mehr mit Brabant zusammen zu arbeiten."

"Dieser Austausch ist dringend notwendig", sagt Seitz. "Die Tatsache ist, dass wir relativ nahe beieinander wohnen, aber wenig über den anderen Markt wissen. Darum ist der Aufbau solcher Kontakte eine Bereicherung für beide Regionen." Die IHK will sich auch in den nächsten Jahren auf den Ausbau der Beziehungen mit den niederländischen Partnern konzentrieren.

Benjamin Stöcklein, Leiter Internationalisierung von dem Cluster Medical Valley EMN stimmt dem Vorgehen der IHK vollkommen zu. "Wir sind sehr glücklich über das wachsende Interesse aus den Niederlanden. Der Besuch aus Brabant ist auf viel Interesse bei unseren Mitgliedern gestoßen", bemerkt er.

"Die Niederländer denken über dieselben Probleme nach und stellen die gleichen primären Fragen", sagt er. "Das sorgt dafür, dass wir sehr leicht miteinander kommunizieren können."

Die gegenseitigen Besuche sind notwendig, findet Stöcklein. "Wir sind einander so ähnlich, aber wenn man als Unternehmer miteinander spricht, werden einige Unterschiede deutlich." Das merkte er während eines Besuches an einem deutschen Unternehmen, welches gegen niederländische Eigenarten anlief. "Es kann an Details scheitern. Darum ist es wichtig, dass wir miteinander kommunizieren und voneinander lernen."

Besuch bei E-T-A in Nürnberg.

Besuch bei E-T-A in Nürnberg. Foto: Duitslandnieuws

Marc Verbiest sah wie Niederländer und Deutsche viel voneinander lernen. Der Vertreter für die Provinz Brabant in München sieht viele Anknüpfungspunkte für Unternehmen aus Brabant. "Wir sind auf dem Gebiet E-Mobility den Deutschen einige Schritte voraus. Denk zum Beispiel an die Ladeinfrastruktur wo man in den Niederlanden viel Erfahrung hat. Da können wir hier viel einbringen."

Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Brabant (BOM) will er bei den Delegationsteilnehmern untersuchen, wie man ihnen auf ihrem Weg nach Deutschland helfen kann. "Etwas in Deutschland zu kaufen oder zu verkaufen ist relativ einfach wenn man es mit der bilateralen Zusammenarbeit vergleicht. Da können wir kundenspezifische Beratung anbieten."

Vorlesung über elektrisches Fahren im Fraunhofer ICC-Institut in Nürnberg

Vorlesung über elektrisches Fahren im Fraunhofer ICC-Institut in Nürnberg. Foto: BOM

Mark Koppers (BOM) bekommt viele positive Rückmeldungen von den Teilnehmern und den Clusterpartnern und fühlt sich dadurch in der Internationalisierungsstrategie der Provinz Brabant bestätigt. "Kleine Delegationen mit einem inhaltlichen Themen- oder Technologiefokus führen zu den richtigen Kontakten und Kooperationen. Das wollen wir auch in 2017 fortsetzen. Auch in der Organisation sind die bilateralen Unterschiede manchmal fühlbar. Daher ist es auch eine Bereicherung von Personen wie Anke Rosemann von GermanyConnect unterstützt zu werden. Sie hat im Auftrag der BOM das MedTech-Programm der Delegation organisiert."

Der Besuch an die Metropolregion Nürnberg hat seiner Meinung genügend Anknüpfungspunkte für weitere Aktivitäten geliefert. "Wir sprechen mit der NBSO Stuttgart darüber wie wir den niederländischen MedTech-Sektor im Juni auf der MT-Connect deutlich positionieren können."

Eric van der Laak von Topic Embedded Systems aus Best hat in Folge der MedTech Handelsdelegation bereits erste Besuche in Nürnberg vereinbart. "Man muss nach einem Besuch direkt einen Anschlusstermin vereinbaren, denn sonst ist es schnell vergessen." Der Programmdirektor will seine Kundenbasis in Deutschland ausbauen. "Diesbezüglich waren die Unternehmen die wir besucht haben sehr interessant und passen gut in unser Fachgebiet." Viele Unternehmen in Nürnberg haben ein starkes regionales Netzwerk und es ist für ausländische Unternehmen schwer dazwischen zu kommen. "Das bin ich gewöhnt", sagt Van der Laak, "in den USA oder Brabant ist es nicht anders. Man muss sehr genau wissen, worin man gut ist und darauf den Nachdruck legen."

Die ersten Reaktionen auf seine Kontaktaufnahmen mit den deutschen Unternehmen sind empfangen. "Man ist sehr offen und ich plane jetzt die Folgebesuche. Der erste Termin steht schon fest."